{"id":49,"date":"2021-05-08T11:50:05","date_gmt":"2021-05-08T09:50:05","guid":{"rendered":"http:\/\/evelinschertle.com\/schertle\/?page_id=49"},"modified":"2023-06-13T14:58:54","modified_gmt":"2023-06-13T12:58:54","slug":"texte-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evelinschertle.com\/schertle\/texte-2\/","title":{"rendered":"Texte"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Peter Assmann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Naturresonanzen, sichtbar \u2013 zur Bildkunst von Evelin Schertle<\/p>\n\n\n\n<p>I.<\/p>\n\n\n\n<p>Holz z\u00e4hlt zu den traditionsreichsten Bildtr\u00e4gern der Europ\u00e4ischen Kunstgeschichte. In einem seit Jahrhunderten in diesem Kontext diskutierten Verst\u00e4ndnis der Begriffe \u201eMalerei\u201c und \u201eGem\u00e4lde\u201c, das sich intensiv auf das Objekt des \u201eBildes\u201c konzentriert, nimmt dieser Bildtr\u00e4ger eine vorrangige Position ein. Das mobile \u2013 das hei\u00dft tragbare und daher zu verschiedenen Orten transportierbare -, selbst\u00e4ndige Bildobjekt beginnt seine kunsthistorische \u201eKarriere\u201c bei den auf Holztafeln gemalten Mumienportraits im \u00c4gypten der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, um in der Folgezeit einen festen Platz in der Bilddiskussion wie auch der bildhaften religi\u00f6sen Praxis der christlichen Orthodoxie zu erlangen. Noch heute werden Ikonen in den orthodoxen Glaubensgebieten in der klassischen Technik \u201eTempera auf Holz\u201c gestaltet. Erst in der fr\u00fchen Neuzeit l\u00f6st in Mittel- und Westeuropa das Leinwandbild diese bemalte Holztafel in umfassender Weise im Sinne eines Gem\u00e4ldes ab. Speziell in der Volkskunst Europas findet sich der Bildtr\u00e4ger Holz allerdings bis in die Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bemalte Holztafel steht also wie kaum ein anderes Kunstobjekt f\u00fcr eine lang andauernde, einerseits umfassend sozial wirksame andererseits aber auch zutiefst pers\u00f6nliche Auseinandersetzung mit Bildkunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese jahrhundertelange Tradition der Malerei auf Holz ben\u00fctzt dieses Material im Sinne eines dauerhaften, zugleich nicht zu schweren Bildtr\u00e4gers. Die Materialqualit\u00e4ten der jeweils verwendeten Holztafel werden in dieser Bildtradition allerdings unsichtbar gemacht; in vielen schichtenweise aufgetragenen Grundierungen wird in mehreren aufw\u00e4ndigen, handwerklichen Schritten eine m\u00f6glichst homogene Malfl\u00e4che aufgebaut. Diese m\u00f6glichst neutral wirkende Grundierung dient dann als Tr\u00e4gerschicht f\u00fcr die unterschiedlichen Bildkompositionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Evelin Schertle durchbricht diese Traditionen und erweitert sie zugleich \u2013 denn sie macht die Strukturen des h\u00f6lzernen Bildtr\u00e4gers sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>II.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bildkompositionen der K\u00fcnstlerin der letzten Jahre sind durchwegs auf sogenannten OSB \u2013 Platten gestaltet. Es handelt sich hierbei um Grobspanplatten, die aus langen, schlanken Sp\u00e4nen hergestellt werden. OSB steht f\u00fcr: \u201eoriented strained board\u201c oder \u201eoriented structual board\u201c also f\u00fcr eine Platte aus ausgerichteten Holzsp\u00e4nen. Diese Platten waren urspr\u00fcnglich ein Abfallprodukt der Furnier- und Sperrholzindustrie und werden unter hohem Druck und mit hoher Temperatur unter Beimengung von leimartigen Bindemitteln aus groben Holzsp\u00e4nen gefertigt. Sind sie in Europa im Bereich der Bauwirtschaft vergleichsweise wenig im Einsatz, so werden sie in den USA mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Hilfs- und letztlich geringwertigem Abfallprodukt gestaltet die K\u00fcnstlerin \u00e4sthetisch hochwertige Bildkompositionen. Die Materialwirkung der sichtbar gebliebenen groben Holzsp\u00e4ne verbindet sich in ihren Bildwerken mit der Erscheinungsform pr\u00e4zise gesetzter Pinselstriche, um solcher Ma\u00dfen die kompositionellen Anliegen der K\u00fcnstlerin in kompakter Verbindung von Farbschicht und Bildtr\u00e4ger auf neuartige Weise zu verdichten. Es entstehen hochkonzentrierte Gem\u00e4ldekompositionen, die sich in ihrer malerischen Wirkung nicht nur auf die Qualit\u00e4ten des Farbauftrags, des gew\u00e4hlten Farbmaterials und des gesetzten Pinselduktus beschr\u00e4nken. In gro\u00dfer k\u00fcnstlerischer Intensit\u00e4t kommt hier ein weltanschaulicher Diskurs zum Ausdruck, den unter anderem Charles Darwin in h\u00f6chst pr\u00e4gnanter Weise wie folgt zusammengefasst hat:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAlles was gegen die Natur ist, hat keinen Bestand\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>III.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der Natur f\u00fchlen wir uns so wohl, weil sie kein Urteil \u00fcber uns hat\u201c (Friedrich Wilhelm Nitzsche)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bildkompositionen von Evelin Schertle geben dem Verh\u00e4ltnis von Mensch und Natur einen neuen bildnerischen Denkraum. Ihre behutsam gesetzten, analytisch orientierten, geometrischen Kompositionselemente verbinden sich in organischer Weise mit der formalen Logik des Verh\u00e4ltnisses von Material und Struktur des Bildtr\u00e4gers wie auch der differenzierten Farbsetzung. Hier agiert die K\u00fcnstlerin mit klar platzierten, vielfach deckenden Pinselstrichen aber auch mit Farbgebungen, die in die Tiefe des Tr\u00e4germaterials eindringen und somit die Spanstrukturen des Holzes im Sinne von solchen \u201egesetzten Pinselstrichen\u201c hervorheben.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen holzorientierten Bildr\u00e4umen l\u00e4sst die K\u00fcnstlerin viel Platz zur Ausbreitung \u2013 sowohl Raum f\u00fcr Wachstum wie auch Raum f\u00fcr bewusst Gestaltetes. Dieses im gegenw\u00e4rtigen gesellschaftlichen Diskurs so zentrale Thema des Spannungsverh\u00e4ltnisses zwischen Biofakt und Artefakt wird solcherma\u00dfen auf ein klares, frisches, neues und doch in vielf\u00e4ltige Tiefen verweisendes Er\u00f6rterungsfeld gef\u00fchrt. Die Natur begegnet dem Betrachter als zugleich innere und \u00e4u\u00dfere Realit\u00e4t, als physisch erlebbare Raumbestimmung in permanenter Wachstumsbewegung wie auch als dynamischer psychischer Erfahrungsraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Betrachter dieser Bildwerke bewegt sich wie in einem Wald. Erstaunt \u00fcber die stets neuen Formkonstellationen, die ihm begegnen, sucht und findet er seinen eigenen pers\u00f6nlichen Weg. Manchmal bleibt er einige Zeit gleichsam im dichten Gestr\u00fcpp h\u00e4ngen, manchmal kann sich seine Bewegung in gro\u00dfz\u00fcgiger Weise neu orientieren. Es ist allerdings ein stets neu sich zusammenfindendes Miteinander und Ineinander, das diesen Betrachtungsweg strukturiert, eine im \u00fcbertragenen Sinn \u201evorurteilsfreie\u201c Entwicklungsbewegung, die sich hier erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn diese malerischen Welten sind nicht durchdefiniert, sondern nach wie vor in dynamischer Weise offengehalten. Ihre R\u00e4umlichkeit bestimmt sich als Gemengelage unterschiedlichster \u00dcber- und Unterordnungen, sodass sich hier keine Hierarchie festsetzen kann. Der Betrachter wird gemeinsam mit der gestaltenden K\u00fcnstlerin auf einen Weg gebracht, der sich nicht als soziale Vorstrukturierung, sondern zuvorderst als individuelle Herausforderung in permanenter Ver\u00e4nderung vorstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>IV.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders interessant erscheint in den Bildwerken der K\u00fcnstlerin die Wirkung von N\u00e4he und Distanz. Die geschnittenen Holzsp\u00e4ne verweisen sehr klar auf eine Bewegung des N\u00e4herkommens, des Eindringens, des Aufbrechens, zugleich ist ihre abdeckende, geschichtete Wirkung offensichtlich. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit der Farbgebung, die sowohl in den Bildtr\u00e4ger eindringt und tiefere Schichten bildet, wie auch vorhandene Schichten \u00fcberdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Betrachterblick ist somit zum best\u00e4ndigen Changement zwischen Ann\u00e4herung und Zusammenfassung eingeladen. Er kontempliert sich \u2013 je nach eigener pers\u00f6nlicher Ausgangslage \u2013 seine speziellen, von Situation zu Situation unterschiedlichen N\u00e4heverh\u00e4ltnisse. Er bewegt sich nach vor und zur\u00fcck, nach oben und doch stets in umfassender Weise tiefer.<\/p>\n\n\n\n<p>So meditativ anregend und bewusstseinserweiternd diese Wirkung ist, so sehr b\u00fcrgt doch die konkrete Materialwirkung des Holzes f\u00fcr eine konsequente physische N\u00e4he, ein K\u00f6rpergef\u00fchl, das sich gegen ein komplettes \u201eAbgehoben-Sein\u201c stellt. Diese Bildwerke sind \u201eber\u00fchrungsnahe\u201c und doch in gleicher Weise visuelle Katalysatoren f\u00fcr geistige Wanderungsbewegungen im Gro\u00dfen und G\u00e4nzlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie f\u00fchren jeden Betrachter in einen, in \u201eden\u201c Wald: Stets ist ein Baum zum Greifen nahe und doch ein weiter Erfahrungsraum dazwischen.<\/p>\n\n\n\n<p>V.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser im weitesten Sinne \u201eWaldraum\u201c in den Bildkompositionen der K\u00fcnstlerin ist \u2013 wie in jedem Wald vorherrschend \u2013 eine Erfahrung von Gesamtheit, die sich nicht aus der additiven Menge seiner Einzelelemente ergibt. Ein Wald ist stets mehr als die Summe seiner B\u00e4ume; eine Bildkomposition von Evelin Schertle ist stets mehr als die Summe der gestalterischen Einzelelemente \u2013 und seien sie auch noch so klar und pr\u00e4zise in ihrer Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201egeschnittenen\u201c Holzelemente in Verbindung mit den gesetzten Farbstrukturen verweisen auf eine grunds\u00e4tzliche Naturerfahrung, die sich gleichsam dimensionslos ausbreiten kann. Gro\u00dfe Naturr\u00e4ume wie auch unterschiedlich fokussierte Perspektiven im Kleinen sind in diesen Bildwerken zusammengefasst. Der best\u00e4ndige Wechsel der Blickbewegungsm\u00f6glichkeiten l\u00e4sst ausgreifende Verbindungen und Resonanzen entstehen, eine Atmosph\u00e4re der best\u00e4ndigen Ver\u00e4nderung, des stets neu \u201eZu-Fallenden\u201c, der einander durchdringenden Schichtungsr\u00e4ume, der ausgreifenden Vielfalt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStille, mit einer Bewegung gef\u00fcllt, die ich nicht h\u00f6re, von der ich doch wei\u00df, da\u00df sie abl\u00e4uft: da ist es. Das Tausendnamige. Sich unaufh\u00f6rlich W\u00e4lzende, Drehende, Aufsteigende, Zur\u00fcckfallende, Sich Kreuzende.\u201c (aus: Alfred D\u00f6blin: Berge, Meere und Giganten)<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht in diesen Bildwerken um sehr grundlegende Kr\u00e4fte, um Energien der Ver\u00e4nderung, des best\u00e4ndigen Eingreifens und wieder Loslassens und Mitgetragen-Werdens. Es geht um die vielen Wirksamkeiten der sch\u00f6pferisch gestaltenden Bewegungsm\u00f6glichkeiten rund um den Menschen und in ihm \u2013 um das Unaufh\u00f6rliche \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Die Werkbetrachtung, von Peter Assmann, ist einer von drei Textinterpretationen zum Werk E. Schertles, die in der Werkmonografie, die voraussichtlich Ende 2021 erscheint, als Vorver\u00f6ffentlichung auf der Webseite platziert wurde.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Assmann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>seit 11\/2019: Museumsdirektor\/Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Tiroler Landesmuseen.<br>internationale T\u00e4tigkeit als Kurator f\u00fcr Kunstausstellungen,<br>Juryt\u00e4tigkeit f\u00fcr Museumsfragen, zeitgen\u00f6ssische Kunst sowie Kunst im \u00f6ffentlichen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Assmann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Resonance of nature, visible \u2013 on the visual art of Evelin Schertle<\/p>\n\n\n\n<p>I.<\/p>\n\n\n\n<p>Wood is one of the image carriers most rich in tradition in European history of art. This image carrier takes a primary position in an understanding of the terms \u201cpainting\u201d and \u201cpicture\u201d, which has been discussed in this context for centuries and concentrates intensely on the object of the \u201cimage\u201d. The mobile \u2013 meaning portable and therefore transportable to different places -, independent image object begins its art-historical &#8222;career&#8220; with the mummy portraits painted on wood panels in the Egypt of the first centuries AD, to gain a permanent place in picture-based discussion as well as in pictorial religious practice of Christian Orthodoxy. Even today, icons in regions of Orthodox Christian faith are created using the classical technique of &#8222;tempera on wood&#8220;. It was not until the early modern era, that the canvas picture fully replaced the painted wood panel in the sense of a painting in Central and Western Europe. However, wood as an image carrier can be found to the present day, especially in folk art in Europe.<\/p>\n\n\n\n<p>Like no other art object, the painted wood panel stands for a long-lasting, on the one hand comprehensively socially effective, but on the other hand also deeply personal examination of image art.<\/p>\n\n\n\n<p>This century-old tradition of painting on wood uses the material in the sense of a permanent, yet not too heavy image carrier. However, the material qualities of the used wooden panel are made invisible in this pictorial tradition; with many layers of primer and in several complex manual steps, the most homogeneous painting surface possible is crafted. This primer, which appears as neutral as possible, serves as a carrier layer for the different picture compositions.<\/p>\n\n\n\n<p>Evelin Schertle breaks and, at the same time, enhances this tradition &#8211; she makes the structures of the wooden image carrier visible.<\/p>\n\n\n\n<p>II.<\/p>\n\n\n\n<p>The image compositions of the artist in recent years have consistently been designed on so-called OSB panels. These are coarse chipboards made from long, slender chips. OSB means: &#8222;oriented strained board&#8220; or &#8222;oriented structural board&#8220;, thus a panel made of aligned wood chips. These panels were originally a waste product of the veneer and plywood industry and are manufactured from coarse wood chips under high pressure and at high temperature with the addition of glue-like binders. While they are comparatively rare in the construction industry in Europe, they are used with great intensity in the USA.<\/p>\n\n\n\n<p>Using this auxiliary and ultimately low-value waste product, the artist creates aesthetic high-quality image compositions. In her creations, the material of still visible coarse wood chips unites with the appearance of precisely placed brushstrokes in order to condense the compositional concerns of the artist in a compact connection of paint layer and image carrier in new ways. Highly concentrated painting compositions arise, whose pictorial effect is not limited to the quality of the paint application, the chosen paint material, and the applied brush of the stroke. In this, an ideological discourse is expressed with great artistic intensity, summarized by Charles Darwin, among others, in a very concise manner as follows:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Everything what is against nature does not last&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>III.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220; We like to be out in nature so much because it has no opinion about us &#8220; (Friedrich Wilhelm Nitzsche)<\/p>\n\n\n\n<p>Evelin Schertle&#8217;s image compositions give the relation between human being and nature a new pictorial space of thought. Her carefully placed, analytically oriented, geometric elements of composition are organically combined with the formal logic of the relationship between the material and structure of the image carrier as well as the nuanced colours. The artist works with clearly placed, in many cases opaque brushstrokes, but also with colourations that enter the depths of the carrier material and thus accentuate the chip structures of the wood in the sense of such &#8222;placed brushstrokes&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>In these wood-oriented pictorial spaces, the artist leaves a lot of room for expansion &#8211; space for growth as well as space for the consciously designed form. This topic of the tension between biofact and artefact, which is so central in the current social discourse, is led to a clear, fresh, new, yet manifoldly deep field of discussion. Nature comes across as inner and, at the same time, outer reality, as a physically experienced definition of space in a permanent movement of growth and as a dynamic, mental space of experience.<\/p>\n\n\n\n<p>The viewer of these images moves around like in a forest. Amazed by the ever-new constellations of forms that he encounters; he seeks and finds his own personal path. Sometimes he gets caught in the thick undergrowth for a while, sometimes his movement can be reoriented in a generous way. It is, however, an ever-new finding together with and into each other that structures this path of observation, a developmental movement \u201cfree of prejudice\u201d in the figurative sense, which is made possible here.<\/p>\n\n\n\n<p>This is because these picturesque worlds are not fully defined but kept open in a dynamic way. Their spatiality identifies as a composition of vastly different higher and lower levels, so that no hierarchy can be established. Together with the creating artist, the viewer is led on a path, that is not introducing itself as a social pre-structuring, but first and foremost as an individual challenge in constant change.<\/p>\n\n\n\n<p>IV.<\/p>\n\n\n\n<p>The effect of closeness and distance appears to be of particular interest in the artist&#8217;s work. The chopped wood chips clearly point out a movement of approaching, entering, breaking open, yet at the same time their covering, layered effect is obvious. The situation is similar with the colour scheme entering the image carrier, forming deeper layers as well as covering existent layers.<\/p>\n\n\n\n<p>The viewer&#8217;s gaze is therefore invited to constantly change between approach and summary. He contemplates &#8211; depending on his own situation &#8211; his particular proximities, that vary according to the situations. He moves back and forth, upwards, and yet always deeper in all aspects.<\/p>\n\n\n\n<p>As meditatively stimulating and mind-expanding as this effect is, the concrete effect of the material of the wood guarantees a consistent physical closeness, a body awareness which counteracts a \u201cgetting completely off the ground\u201d. These pictorial works are \u201cclose-to-touch\u201d and yet in the same way visual catalysts for mental migration on a large and complete scale.<\/p>\n\n\n\n<p>They lead every viewer into \u201cthe\u201d forest: a tree is always within reach and still a wide space of experience in between.<\/p>\n\n\n\n<p>V.<\/p>\n\n\n\n<p>This \u201cforest space\u201d in the artist&#8217;s picture compositions is &#8211; as is prevalent in every forest &#8211; an experience of totality, which does not result from the additive amount of its individual elements. A forest is always more than the sum of its trees; a picture composition of Evelin Schertle is always more than the sum of the individual design elements &#8211; no matter how clear and precise in their effect.<\/p>\n\n\n\n<p>The \u201ccut\u201d wooden elements in connection with the set colour structures refer to a fundamental experience of nature, which can spread out free of dimension. Large natural areas as well as small, differently focused perspectives are summarized in these pictorial works. The constant change in the possibilities of eye movement creates far reaching connections and resonances, an atmosphere of constant change, of the always new &#8222;falling&#8220;, of one another permeating layers of space, of broad diversity &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cSilence, filled with a movement that I cannot hear, yet I know this silence exists: there it is. The thousand-named. Incessantly rolling, turning, rising, falling, crossing. &#8222;(From: Alfred D\u00f6blin: Mountains, Seas and Giants)<\/p>\n\n\n\n<p>These works of art are about very fundamental forces, energies of change, of constant interfering, releasing, and going along. It is about the many efficacies of the creatively designed possible movements around and in the human being &#8211; about the incessant &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>The work analysis, by Peter Assmann, is one of three text interpretations of E. Schertle&#8217;s work, pre-published on the website in the monograph, which is expected to appear at the end of 2021.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Assmann<\/strong><br>since 11\/2019: director \/ manager of the Tyrolean state museums.<br>international activity as curator for art exhibitions,<br>Jury work for museum questions, contemporary art, and art in public spaces.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Assmann Naturresonanzen, sichtbar \u2013 zur Bildkunst von Evelin Schertle I. Holz z\u00e4hlt zu den traditionsreichsten Bildtr\u00e4gern der Europ\u00e4ischen Kunstgeschichte. 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